Rainer Hank: Der amerikanische Virus

Finanzkrise: Wie verhindern wir den nächsten Crash?

23.03.2009 Angelika Basdorf

Rainer Hank stellt Überlegungen an, wie wir unser Immunsystem stärken können, damit uns der nächste Crash nicht oder zumindest nicht so hart trifft.

Ist die europäische Wirtschaftskrise nichts anderes als eine ansteckende Krankheit? Ein Virus, mit dem wir uns jenseits des Großen Teichs infiziert haben? Rainer Hank geht in „Der amerikanische Virus“ nicht nur dieser Frage auf den Grund, sondern stellt Überlegungen an, wie wir unser Immunsystem stärken können, damit uns der nächste Crash nicht oder zumindest nicht so hart trifft.

Finanzkrise: Der Kreislauf von Gier und Geiz

„Der Kreislauf von Gier und Geiz kennt keine Lernkurve“, schreibt Hank. Zwar kann man diesen Kreislauf sowohl in den USA als auch in Deutschland ausmachen, aber nicht in Abhängigkeit voneinander. Das weist der Autor anhand einer genauen Beobachtung der politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen nach. Parallel zur „machtbewussten Zögerlichkeit“ der Großen Koalition tritt in den USA Barack Obama auf den Plan. „Viele Deutsche erlebten das Spektakel als eine Zeitenwende. So, als hätten sie selbst gerade einen ungeliebten Präsidenten abgewählt und sich für einen neuen, charismatischen Führer entschieden.“ Der Autor zieht eine historische Parallele zu Obamas charismatischem Erfolg: Roosevelts New Deal Versprechen im Frühjahr des Depressionsjahres 1932, zweieinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. „Die historische Konvergenz ist verblüffend. Tatsächlich war den Wahlerfolgen Roosevelts wie Obamas jeweils eine liberale Phase des Wohlstands vorangegangen, welche abrupt in die Katastrophe geführt hatte. Und beide Male verstanden es die demokratischen Präsidentschaftskandidaten, die Krise als Strafe für eine Versündigung der amerikanischen Nation an ihren eigenen ‚konservativen’ Werten zu interpretieren, sich selbst als Erneuerer des Erbes zu installieren und daraus politisch Kapital zu schlagen.“

Keynes lag mit seiner Theorie nicht völlig falsch

Die wirtschaftstheoretische Lehre von John Maynard Keynes passte lange Zeit nicht zu unserer Auffassung von Wirtschaft. Ganz auf der Linie der Monetaristen um Milton Friedman glaubten wir an die Stabilität des privaten Sektors und sahen keine Notwendigkeit für staatliche Eingriffe. Aber das funktioniert nur so lange wunderbar, bis den rational handelnden „homo oeconomicus“ die Emotionalität heimsucht. Wenn erst das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit und die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft erschüttert ist, macht sich Angst breit und verdrängt die Gier. Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist. Und der Ruf nach dem ordnenden und alles regulierenden Staat wird auch bei denjenigen laut, die das „Laisser-faire“ bis dahin als oberste Priorität verteidigt hatten.

Rainer Hank: Mit den Instabilitäten leben

Rainer Hank leitet die Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Als Philologe und promovierter Literaturwissenschaftler kann er die Entwicklungen aus einem anderen Blickwinkel beobachten als ein Wirtschaftswissenschaftler, der versucht, die aktuelle Krise ausschließlich anhand der Phillips-Kurve zu erklären. Aber auch Hank hat kein Patentrezept parat. Er empfiehlt, „mit den gewiss ungemütlichen Instabilitäten des Kapitalismus zu leben“, und stellt zum Abschluss zehn populären Irrtümern zehn goldene Regeln für die Finanzmärkte entgegen. Die zehnte Regel lautet: Die Krisen von morgen kennt heute noch niemand. Hanks Fazit: „Wer durch Überregulierung nachträglich die Fehler von gestern unterbinden will, könnte damit gerade den Keim für die nächste Krise legen.“

Rainer Hank: Der amerikanische Virus. Wie verhindern wir den nächsten Crash? Karl-Blessing 2009. Gebunden, 239 Seiten. Euro 16,95.

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Hank: Der amerikanische Virus, Karl Blessing Verlag Hank: Der amerikanische Virus